Martin Rothweiler

Ein Schreiben an im Kreis Konstanz und in der Schweizer Nachbarschaft lebende „Syrer/innen“, welche bei Gründung unseres Vereins sehr engagiert waren.

Beim Beladen unseres Containers hatten wir dieses mal genügend helfende Hände, und in der Mehrzahl ganz neue „Gesichter“. Das ist erfreulich, mir hat auch die Motivation unserer neuen Helferinnen und Helfer sehr gut gefallen. Das war harte körperlich Arbeit.

Und dennoch, ich habe mir so Gedanken gemacht – wo sind die Menschen geblieben, die uns bei unseren ersten Containern mitgeholfen haben?

Der Krieg / Bürgerkrieg in Syrien dauert schon Jahre, ein Ende ist derzeit kaum abzusehen, es scheint auch keine Seite der vielen Gruppen wirkliche „Fortschritte“ zu machen. Das führt zu Gefühlen wie: alles ist sinnlos, es geht nur das Sterben weiter, ich habe keine Hoffnung mehr, es ist so trostlos.

Ein ganz Kennzeichen bei vielen „Depressionen“ ist die „Starre“ und „Bewegungslosigkeit“ – ich möchte dies hier als Bild einsetzen und unsere Helfer und Helferinnen der ersten Stunden ansprechen.

Es ist eben nicht vergebens Menschen Kleidung, Nahrung, Medikamente, Rollstühle und Kindern Spielsachen zu geben. Und dieses Mal hatten wir auch Schulmöbel für eine Klasse mitgeben können. Unsere Hilfsgüter verlängern in keiner Weise das Elend – und sind ein „kleiner Tropfen“ an Hilfe für die Menschen.

Das Flüchtlingslager beim Dorf Quatma (Region Aleppo) beherbergt ca. 80.000 Menschen, mehr Menschen als Konstanz Einwohner hat. Da ist unser Container wirklich nur ein kleiner „Tropfen“ – aber vielleicht für einige Menschen überlebenswichtig. Es leben dort alles Menschen, welche ihre Häuser verlassen mussten, entweder weil diese zerstört sind oder weil sie vor Kriegshandlungen flüchten mussten.

Ist es das Gefühl, EIN Container ist so wenig, das „bringt nichts“?
Ich rate dringend an, trotzdem weder den Mut noch die Hoffnung aufzugeben; ja, ich habe es da leicht, keine meiner Angehörigen ist von der Bürgerkriegssituation direkt betroffen. Dennoch, ich bin irgendwie traurig über das scheinbar sinkende Engagement, den Menschen in Syrien „irgendwie“ Hilfe zu leisten – und wenn es nur EINEM Menschen zugute kommt. Ich selbst bin dankbar, hier die Möglichkeit zu haben, direkt und konkret meinen kleinen Teil wirken zu können.

Unsere Hilfe kommt (nachprüfbar) bei den Menschen an; was hindert, wieder aktiver zu werden und wieder Säcke, Kartons, Rollstühle, Krankenbetten, Schulbänke und Stühle, Lebensmittel und all das was da ist in den Container zu laden`? Was hindert finanziell einen Anteil an den Transportkosten zu übernehmen?
Hilfe sollte nicht an Bedingungen geknüpft sein, etwa an die Bedingung dass es „Aufwärts“ geht – und gerade sieht es doch so aus, dass zu Zeit im Flüchtlingslager schon viel zu lange andauert.

Ich musst diese – meine Gedanken – einfach mal „los werden“. Es ist nicht als Anklage zu verstehen, aber vielleicht als Denkanstoß. Wir geben nicht auf – niemanden.

Wir haben am 3.12.2014, am 16.2.2015, am 31.7.2015 und jetzt am 30.7.2015 jeweils einen Container beladen und nach Syrien geschickt.

Martin Rothweiler

2.10.2015